In der letzten Woche war ich mal wieder einmal auf einer meiner so geliebten Strandwanderungen unterwegs. Viel frische Luft, das Meer und ein paar kreischende Möwen um mich herum. In meinem Kopf kreisten unentwegt Gedanken zu einem einzigen Thema:

Wie kann es eigentlich sein, dass immer noch so viele Gastronomen auf ziemlich teure und wenig bis überhaupt nicht messbare Marketing Maßnahmen setzen, statt die so einfachen, genialen und dazu noch eher kostengünstigen Möglichkeiten unserer Zeit nutzen? Und das, obwohl das zur Verfügung stehende Werbebudget eher überschaubar ist und es immer schwieriger wird Kunden anzuziehen.

Ich denke, die Antwort ist ganz einfach: Aus dem gleichen Grund, aus welchem ich ein ziemlich schlechter Gastronom wäre. Wie ich das meine? Ganz einfach:

Du bist Gastronom aus Leidenschaft – stimmt`s?

Du bist selbständige Unternehmerin und hast damit eine Menge Verantwortung für Deinen Betrieb und Deine Mitarbeiter. Von der Pike auf hast Du Gastronomie gelernt und liebst diese Branche, ganz egal wie „kräfteraubend“ sie auch manchmal sein mag. Du kennst sämtliche Abläufe in der Küche, erledigst die Einkäufe und kalkulierst Preise fast schon im Schlaf. Du weißt auch sehr genau, wie guter Service aussieht und was dafür notwendig ist. Hier macht Dir so schnell niemand etwas vor – Du bist der Profi!

Aber Marketing?

Das stand irgendwie nicht in der „Stellenausschreibung für einen selbständigen Gastronomen“ – stimmt`s?!

Klar, Dir ist durchaus bewusst, dass die Gäste irgendwie den Weg zu Dir finden müssen, aber eine Marketing-Strategie? Ein konkreter Plan?

Soll ich Dir was sagen? Bei mir wäre das ganz genau so!

Seit mittlerweile 20 Jahren beschäftige ich mich fast ausschließlich mit dem Thema Online Marketing. Ich liebe es, immer wieder neue Strategien auszutüfteln und zu testen. Neue Wege zu gehen und den Anderen immer wieder einen Schritt voraus zu sein. Auf der anderen Seite koche ich für mein Leben gern. Diese Leidenschaft lebe ich nicht mehr nur in meiner Küche aus, sondern seit einiger Zeit auch auf meinem Foodblog. Aber macht mich das zu einem Koch (im Sinne von Profi)? Eher nicht!

Ich schäme mich auch nicht zuzugeben, dass ich kaum eine Folge von TV Sendungen wie „Rach der Restauranttester“, „Rosins Restaurants“ verpasse, aber könnte ich deshalb ein eigenes Restaurant erfolgreich zu betreiben? Auf keinen Fall!

Jeder hat sein eigenes Gebiet in dem er sich auskennt, mit Leidenschaft dabei ist und auf welchem ihm so schnell niemand etwas vormacht.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund.

„Abgucken“ – durchaus erlaubt, aber nicht immer klug

Schon als Kinder gucken wir ab. Beim Laufen lernen, Fahrrad fahren oder auch Schwimmen, vieles lernen wir einfach durch beobachten und nachmachen. OK, später in der Schule war das dann nicht soooo gern gesehen. 😉

Irgendwie ist es also naheliegend, sich jetzt im Berufsleben auch wieder an andern zu orientieren. Wozu das Rad neu erfinden, wenn es doch vor uns schon jemand gemacht hat?

Also schauen wir uns in der „gastronomischen“ Nachbarschaft um und setzten auf die gleichen Marketing Strategien auch für unser eigenes Restaurant.

Irgendwie ist das zwar logisch, aber auch ziemlich gefährlich, denn problematisch wird das Ganze dann, wenn wir uns Dinge abschauen die wir:

a) selber nicht kennen und
b) von denen wir überhaupt nicht wissen, ob wie tatsächlich funktionieren
c) das Konzept überhaupt nicht zum eigene Restaurant passt

Was ist aber, wenn der Nachbar auch nur von seinem Nachbarn abgeschaut hat?

Noch gefährlicher kann das Ganze dann werden, wenngleich das komplette Konzept vom Vorpächter des Restaurants, inkl. Speisekarte und Preise, übernommen wird.
Klar – handelt es sich dabei um ein absolutes Spitzenrestaurant mit großem Stammkundenanteil, dessen Eigentümer sich nun mit seinem Gewinn auf einer Karibikinsel ausruhen möchte, ist alles bestens! Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Du Dich hier, nicht neu mit dem Thema Konzept oder Marketing befassen musst, denn es gibt ganz sicher bereits eine ausgeklügelte und bewährte Strategie.

In der Regel wird das aber leider nicht der Fall sein. Gerade, wenn du Dein Restaurant ablösefrei übernehmen konntest ist hier Vorsicht geboten, denn wer gibt schon einfach so einen „brummenden Laden“ ab? Was ist, wenn der Vorpächter aufgeben musste, weil die Gäste ausblieben oder weil die Preise zu niedrig kalkuliert waren?

Rechne lieber selbst nach und entwickle Deine eigene Strategie! So kannst du zu deiner eigenen Marke werden und bist nicht einfach austauschbar.