Warum den heimischen Arbeitsplatz wählen – Jede Menge Vorurteile

Irgendwie scheinen Außenstehende häufig zu denken, dass das Homeoffice nur eine Notlösung sein kann.
Als ich von meinem Büro in der Stadt ins Homeoffice umgezogen bin, habe ich häufig Sätze gehört wie:

„Das wäre für mich ja nichts, den ganzen Tag so ganz allein.“
oder
„Du hast es gut, Du kannst jeden Tag ausschlafen und hast dann jede Menge Zeit für Deinen Haushalt. Ich kann mir das nicht leisten, ich muss jeden Tag auf Arbeit.“ (gemeint war eher – „ich muss arbeiten“)
oder
„Ich versteh Dich schon, wenn es nicht so gut läuft muss man irgendwo einsparen und Büromieten sind nun mal teuer.“

Meine Freude über den neuen Arbeitsplatz wollte oder konnte kaum jemand mit mir teilen. Alle waren sich scheinbar auch darin einig, dass mir das Homeoffice über kurz oder lang auch nicht gefallen würde – viel zu einsam!
Von früh bis spät allein im heimischen Büro und ohne jegliche Kontakte zur „Außenwelt“ zu sitzen, klingt zum einen nicht nach wirklicher Arbeit und scheint zum anderen auch nicht gerade sexy oder erstrebenswert zu sein. Aber ist das wirklich so?

Meine Gründe für den Umzug ins Homeoffice

Für mich war der Umzug mein absoluter Wunsch und ein Ziel, auf das ich lange Zeit hingearbeitet habe. Vom stationären Handel bin ich ja schon sehr früh ins Onlinegeschäft gewechselt, was mich aber dennoch im Büro gefesselt hat: Bei mir zu Hause gab es lange Zeit schlichtweg kein Internet (hier habe ich bereist über meinen Weg ins Homeoffice berichtet) . Es lag also ausschließlich an den technischen Voraussetzungen. Als diese dann endlich gegeben waren konnte ich mein Glück kauf fassen – „endlich von zu Hause aus arbeiten!“. Nun, nach mehr als 10 Jahren kann ich noch immer und mehr denn je sagen, dass es die absolut richtige Entscheidung für mich war. Ich habe diese nie bereut.

Typische Anfängerfehler

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Gefahr der Vereinsamung gerade am Anfang sehr groß sein kann. Mit Feuereifer stürzt man sich in die Arbeit, das eigene Projekt immer direkt vor Augen. „Alles selber machen“ scheint die Devise zu sein. Da muss ein Logo und ein Slogan entworfen werden, die Website muss erstellt und mit Inhalten gefüllt werden, Social Media Kanäle müssen betreut werden. Aber, das eigentliche Produkt muss ja auch entwickelt oder eingekauft werden. Letzten Endes braucht es auch Kunden für das eigene Produkt und auch diese müssen gefunden und betreut werden. Ach ja, die Buchführung steht natürlich auch auf der ToDo-Liste.
Vor diesem Berg an Aufgaben hat man sich schneller verzettelt als man glaubt. Das Ergebnis sind dann häufig ein eher mäßiger Erfolg und tatsächlich so etwas wie Einsamkeit im Job. Die Arbeitstage sind endlos lang und man könnte wirklich meinen – „Selbstständig“ bedeutet tatsächlich „selbst und ständig“.

Erfolg ist die Strategie gegen einsames Arbeiten

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es weit aus klüger ist, sich von Anfang an zu überlegen, welche Aufgaben anfallen und welche davon zweckmäßigerweise ausgelagert werden können. Grundsätzlich sollte man alles was „wichtig“ ist selbst machen und lediglich die „notwendigen“ Dinge an andere abgeben (outsourcen).

Was ist wichtig und was ist notwendig?

Wichtig ist der eigentliche Grund für den Schritt in die Selbständigkeit. Das kann der Verkauf eines Produktes oder eine Dienstleistung sein. Notwendig dagegen sind Dinge wie die Einrichtung der Website, die Buchführung und auch die Steuererklärung.
Ist für das Outsourcing auch gleich ein (kleines) monatliches Budget eingeplant, fällt es noch leichter diesen Schritt zu wagen. Damit hat man selbst genügend Luft um sich auf die eigentlich wichtigen Dinge zu konzentrieren und es entstehen gleichzeitig noch mehr Kontakte nach außen – Einsamkeit Fehlanzeige!
Darüber hinaus ist es ein Netzwerk an „Mitstreitern“, welches für den eigenen Erfolg wichtig ist. Das können andere Unternehmer/-innen sein, welche in ähnlichen oder in angrenzenden Bereichen tätig sind. Aber auch regionale und überregionale Kontakte zu völlig artfremden Branchen können wichtig sein. Denn eines hat man auch mit diesen gemeinsam – die Selbständigkeit als „Solopreneur“.

Mein Fazit FÜR das Homeoffice

Jeder Selbständige braucht Menschen die ihn unterstützen. Anders ist Wachstum und letztlich Erfolg kaum möglich, denn niemand kann alle anfallenden Aufgaben allein erledigen. Outsourcing sollte von Anfang an ein wichtiges Thema sein, sei es für die Büroorganisation, das Schreiben von Texten, das Programmieren von Modulen für die Website, für Recherchetätigkeiten und vieles andere mehr. Für jedes Thema gibt es Spezialisten, welche man – als Partner – mit ins Boot holen kann und sollte.
Ganz allein kann man kaum erfolgreich sein, es gehören immer andere Menschen dazu. Bei mir sind das beispielsweise Texter oder auch Programmierer. Wichtig bei mir ist auch eine Marketing-Expertin. Diese hilft mit, meinen Fokus nicht zu verlieren.
Partner und Kollegen hat jeder Selbständige – wenn er das möchte und wenn er erfolgreich sein will!

Und:
Im Homeoffice zu arbeiten ist für mich auf keinen Fall eine Notlösung!

Manuela Aust: Strategie und Marketing für Gastronomie und Tourismus