Es gibt immer wieder Fragen, welche ich mir eigentlich so nicht unbedingt stellen würde. Es sein denn, ja, es sei denn jemand stubst mich direkt mit der Nase darauf. Im Gespräch mit meiner Freundin und Kollegin Bianca Katzer von Zielcoach Marketing kam das Gespräch auch immer mal wieder auf genau dieses Thema (hier gibt`s ihren Beitrag zum Thema)

Genau so war es beim Thema „Scheitern“ – ich habe noch nie wirklich darüber nachgedacht. Okay, wahrscheinlich ist es eher so, dass mein Scheitern nichts ist worüber ich heute noch nachdenken möchte und noch weniger etwas, was ich gern mit der halben Welt teilen möchte.

Aber wie so oft bei mir, wenn meine Gedanken einmal kreisen, dann kreisen sie und nichts auf der Welt kann sie davon abhalten.

Also gut, reden wir übers Scheitern, ähm okay ich rede über mein Scheitern.

Klar, es ist auch mir schon passiert – und zwar richtig.

Scheitern? Ich? Niemals!

Leider doch und wer mich kennt weiß, halbe Sachen liegen mir nicht.

Damals war ich ziemlich erfolgreich mit meinem Onlinehandel. Ich hatte die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt und die richtigen Leute in meinem Umfeld, welche mich bei der Umsetzung unterstützten. Ich hatte eine Nische gefunden! Eine Idee, auf die vor mir noch niemand gekommen war und so hatte ich den gesamten Markt quasi ganz für mich allein. Ein Traum!

Man ging`s mir gut!

Mein Fehler

Was ich zu dieser Zeit jedoch versäumt habe war, mich um ein zweites Standbein zu kümmern. Bis zu dieser Zeit hatte ich das eigentlich immer getan, ich war immer breit aufgestellt, nicht zuletzt deswegen, weil es einfach in meiner Natur liegt. Bloß diesmal leider nicht!

Zeit genug mich darum zu kümmern hätte ich gehabt, denn der Laden lief mehr oder weniger auf Autopilot. Ich habe so viel Geld verdient, wie ich es niemals für möglich gehalten hatte. Das hat mir damals gereicht, mehr wollte ich nicht. Ich hatte nicht den Ehrgeiz, mein Business weiter auszubauen. Den Grund dafür kannte ich damals noch nicht.

Zu dieser Zeit zogen mein Mann und ich ins erste eigene Haus. Ein Haus mit Garten – endlich. Mit Feuereifer ging ich daran den Garten zu gestalten. Bereits am Vormittag war ich damit beschäftigt Beete anzulegen, Lavendel zu schneiden und den Pool zu planen. – Eine schöne Zeit.

Bis, ja bis….

Das Problem an meinem damaligem Geschäftsmodell war schlichtweg, dass ich komplett von einem einzigen Geschäftspartner abhängig war.

Und es kam, wie es kommen musste. Eines Tages kam der Anruf und es hieß man würde das Geschäftsfeld nun selbst übernehmen und mein Partnerschaftsvertrag würde zum Ende des Jahres gekündigt werden. Im Klartext hieß das:

Frau Antrack (mein Mädchenname), Sie dürfen unsere Waren nicht mehr verkaufen!

Das dieser Anruf an meinem Geburtstag kam – Zufall? Keine Ahnung!

Die Auswirkungen

Das war der berühmte Schlag in die Magengrube, der Knockout – alles war plötzlich schwarz um mich herum und in meinem Kopf drehten sich die Gedanken.

Wie sollte ich Löhne, Miete und all die anderen Verbindlichkeiten bezahlen und nicht zuletzt: Wovon sollte ich leben? Rücklagen hatte ich nicht wirklich gebildet und einen „Plan B“ gab es auch nicht.

Ich war gescheitert! Praktisch über Nacht war meine komplette Existenz absehbar weg und ich hatte nicht die leiseste Ahnung was werden sollte.

Vor lauter Verzweiflung las ich sogar Stellenanzeigen und war bereit mich in einem Unternehmen anstellen zu lassen, etwas was ich eigentlich nie wieder im meinem Leben tun wollte.

Immer wieder habe ich versucht auf die Schnelle irgendwie Geld zu verdienen, immer ohne wirklichen Plan, immer mit dem Druck etwas verdienen zu müssen und natürlich immer ohne Erfolg.

Nachts lag ich wach und brütete darüber, was werden sollte und tagsüber war ich total ausgelaugt und hatte ständig das Gefühl, wie ein Hamster im Laufrad zu sein. Schließlich hatte ich, gegen den Rat meiner kompletten Familie, meine sichere Existenz im öffentlichen Dienst aufgegeben um selbständig zu sein und jetzt sollte / musste ich zugeben, dass ich dazu offensichtlich nicht fähig war.

Ich hörte schon Sätze wie: „Haben wir Dir doch gleich gesagt.“ oder „Hättest du mal nicht…“ oder auch „Wie konntest Du nur…“

Meine Rettung

Kurz bevor meine Panik endgültig zu eskalieren begann, zwang mich mein Mann in eine Zwangspause. Er hatte beschlossen mir ein halbes Jahr „frei zu gegeben“ oder treffender ausgedrückt: Er hat mir schlichtweg verboten zu arbeiten!

Im ersten Moment (und eigentlich bis heute) war mir das unendlich peinlich. Mein ganzes Leben hatte ich mein eigenes Geld verdient und jetzt plötzlich sollte ich auf seine Kosten leben – für mich eigentlich undenkbar.

Heute bin ich ihm unendlich dankbar.

Die ersten drei Wochen meiner „arbeitslosen Zeit“ verbrachten wir im Urlaub. Es war für mich das erste mal seit einer gefühlten Ewigkeit, dass ich nicht jeden Morgen als erstes Emails checkte und Kundenanfragen beantworte. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Aber nach einer Woche habe ich begonnen, dass „Nichtstun“ zu genießen und nach einer weiteren Woche ging es mir plötzlich besser. Ich konnte wieder mal lachen, auch weil ich wusste, dass ich meinen Mann und meine ganze Familie hinter mir hatte.

Wieder zu Hause angekommen nahm ich mir noch ein bisschen Zeit zum Wäsche waschen, Putzen und für mich selbst. Dann aber wollte ich wieder etwas tun.

Arbeiten – im Sinne von Geld verdienen – durfte ich ja noch nicht. Also habe ich die Zeit genutzt um mich weiterzubilden. Ich habe gelesen, Seminare besucht und an Online Kursen teilgenommen.

Jetzt war auch endlich mal  Zeit mich mit Dingen zu beschäftigen , welche mich wirklich interessierten und mir Spaß machten.

Ganz oben auf der Liste standen all meine eigenen Kochrezepte. Kochen ist meine Leidenschaft und ich wollte schon lange all meine Rezepte in einer Onlinedatenbank zusammenfassen. Eigentlich nur so für mich oder wenn mal eine Freundin danach fragt.

Daraus entstand nach und nach mein erster WordPress Blog: gelesi.de .

Es machte einfach Spaß, vielleicht auch weil es sich mehr nach Hobby und nicht nach Arbeit anfühlte.

Nach ca. einem halben Jahr oder vielleicht schon ein bisschen früher, hab ich dann aber doch wieder angefangen zu arbeiten. Erstmal in meinem alten Business. Ich hatte einen Weg gefunden, mir neue Partner zu suchen und tat erst einmal wieder das, was ich konnte und was ich gewohnt war – online Möbel vermarkten. Diesmal bezog ich meine Waren aber nicht nur über einen Partner, sondern bezog diese direkt von verschiedenen Herstellern und Importeuren und versendete im Droppshipping Verfahren an meine Kunden, so dass ich mich ausschließlich auf das eigentlich Marketing konzentrieren konnte.

Parallel dazu fand ich Stück für Stück heraus, was ich wirklich wollte. Das Business für das ich brenne und welches sich überhaupt nicht wie Arbeit anfühlt.

Was mir heute bewusst ist:

Der Grund dafür, dass ich damals mit dem zufrieden war, was ich hatte und keinen wirklichen Drang verspürte mein Business weiter zu entwickeln, lag zum einen daran, dass ich (genug) Erfolg hatte und Geld verdiente. Zu einem Großteil eben auch daran, dass es nicht das Business war, wofür ich mich begeistern konnte. Es war so gesehen, nicht das was ich wirklich wollte. Meine Arbeit war irgendwie nur Mittel zum Zweck – arbeiten um Geld zu verdienen. Aber genau um so etwas nicht mehr zu müssen, hatte ich ja eigentlich meinen Job bei der AOK gekündigt.

Ich hatte einfach noch nicht mein „Ding“ gefunden. Und bis dahin sollte es auch noch ein langer Weg sein – wie ich heute weiß!

Manuela Aust: Strategie und Marketing für Gastronomie und Torismus